Rhönradwartin Hannah Gerdon
Tel. 06341/31963



RHÖNRADTURNEN im TV 1861 
von Jochen Wetter
Pressemitteilung vom 05. August 2007

Der Sportler schiebt das bis fast 2,50 Meter große Rad mit Schwung an. Läuft im Steigerungslauf hinter dem Rad her. Er lässt sich vom Schwung auf das Rad ziehen. Danach vollführt er einen Sprung auf einen Mattenberg. Der abschließende Sprung ist dann ein Salto. Wer diese hohen Bewegungsfertigkeiten beherrscht, zählt zur absoluten Elite im Rhönradturnen!
Die Disziplinen beim Rhönradturnen sind Geradeturnen, Spiraleturnen und Sprung. Daneben gibt es für Paare das Partnerturnen, Synchronturnen und Partnerspirale.

Nun der Reihe nach: Das Rhönrad ist ein Sportgerät, das aus zwei Reifen besteht, die durch sechs Sprossen miteinander verbunden sind. Die Größe des Rades variiert je nach Höhe des Sportlers zwischen 135 cm und 245 cm.
Das Rhönradturnen hat eine sehr lange und bewegte Geschichte, bei der Pfälzer immer eine entscheidende Rolle gespielt haben. 1925 wurde das Rhönrad von Otto Feick in Schönau an der Brend in der bayerischen Rhön erfunden. Feick gab dem neuen Sportgerät aus Dankbarkeit an seine zweite Heimat diesen Namen. Denn geboren wurde Otto Feick im pfälzischen Reichenbach und lebte mit seiner Familie in Glan-Münchweiler. Schon als Kind soll er in der Schmiedewerkstatt seines Großvaters versucht haben in Wagenreifen sich um die eigene Achse zu drehen. 1923 kam Otto Feick nach Schönau an der Brend.
1927 war Feick mit einer Sportgruppe in England, 1928 in Frankreich und 1929 unternahm er eine Reise nach Amerika. 1930 gab es ein erstes internationales Rhönradturnier in Bad Kissingen. Und bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin zeigten 120 Sportler ein viel beachtetes Schauprogramm im Olympiastadion.
Nach 1945 kam die Rhönradbewegung nahezu völlig zum Erliegen. Die alten Hochburgen Berlin und Bayern und die DDR machten auf das Rhönradturnen wieder aufmerksam.
Erst 1959 gelang es, das Rhönradturnen in den Deutschen Turnerbund zu integrieren, nachdem es beim Deutschen Turnfest 1958 in München erstmals als Turnfestwettkampf ausgetragen wurde. 1990 fand ein erster internationaler Lehrgang mit rund 200 Teilnehmern aus 11 Nationen im westfälischen Finnentrop statt.
Heute gibt es Rheinland-Pfalz-Meisterschaften, Deutsche Meisterschaften, Europa- und Weltmeisterschaften. 1995 wurde der Weltverband gegründet. Unter den Gründungsmitgliedern wieder ein Pfälzer: Franz Obry, der eine starke Rhönrad-Abteilung in Glan-Münchweiler aufbaute. 1998 wurde Obry für einige Jahre Präsident des Internationalen Rhönradturn-Verbandes. Und derzeit bemüht sich Gerd Häßel aus Reichenbach-Steegen um die Einrichtung eines Rhönrad-Museums im Geburtsort des Erfinders.

Leider ist momentan in der Pfalz das Rhönradturnen sportpraktisch nicht mehr „in". Hannah Gerdon, Übungsleiterin der Landauer Rhönradszene, kann nur zwei Vereine nennen: TV Lauterecken und Turnverein 1861 im ASV Landau. Auch gibt es nach Auskunft des Geschäftsführers des Pfälzer Turnerbundes, Gunter Lenz, derzeit keinen Fachwart für das Rhönradturnen im Landesverband.
Nichtsdestotrotz bietet der Turnverein 1861 mit Hannah Gerdon, die sich seit 1998 zum Rhönradturnen hingezogen fühlt, jeden Mittwoch in der Rundsporthalle dieses Sportprogramm an. Vier Jahre macht sie das jetzt schon.
Nach den Sommerferien erstmals wieder am 22. August um 17.15 Uhr! Die von Hannah Gerdon betreuten zehn Rhönradenthusiasten nehmen noch nicht an Wettkämpfen teil. Ihr Schwerpunkt liegt auf dem Gebiet von Schauvorführungen.
Gerdon, Autodidaktin im Rhönradturnen, will erst später an zeitaufwändigen Lehrgängen auf Bundesebene teilnehmen. Vorher steht ihr Studium an der Fachhochschule für Finanzen in Edenkoben im Vordergrund.

Abteilungsleiterin

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