Die Wiege des olympischen Marathonlaufes der Neuzeit steht in Landau in der Pfalz 
Der Landauer Michel Bréal und der Marathonlauf / Von Jochen Wetter

Wer das Böcking’sche Haus vom Rathausplatz aus betritt, findet links vom Eingang zur Zweigstelle der Sparkasse Südliche Weinstraße eine Erinnerungstafel über den Sprachwissenschaftler Michel Bréal (1832 – 1915), der in diesem Haus als Sohn französischer Eltern geboren wurde. Der  geborene Landauer hat etwas mit dem Marathonlauf zu tun.
Genau am 26. März 1832 erblickte Michel Bréal in dem ehemals vornehmen Patrizierhaus am heutigen Rathausplatz das Licht der Welt. Lebte bis zu seinem neunten Lebensjahr in Landau, ehe er mit seinen Eltern nach Frankreich zurückkehrte. Studien in Paris, Straßburg und Berlin folgten, ehe Bréal als Altphilologe arbeitete. 1894, im Alter von 62 Jahren, nahm er als Beobachter an einem Sportkongress an der Pariser Sorbonne teil. Dort konnte er seinem guten Bekannten Pierre de Coubertin schmackhaft machen, bei der 1. Olympiade der Neuzeit 1896 in Athen zu Ehren des legendären Meldeläufers der Antike die 40 km lange Strecke nach Athen als eigenen olympischen Wettbewerb aufzunehmen. Michel Bréal stiftete auch den wertvollen Ehrenpokal für den ersten Olympiasieger Spiridon Louis aus Griechenland, der 2:58:50,0 Stunden für die Distanz benötigte.
Inzwischen ist die Länge des Marathonlaufes auf genau 42,195 Kilometer festgeschrieben und die Weltbestzeit wird mit 2:04:55,0 Stunden von Paul Targat aus Kenia gehalten. Die schnellste Zeit bei den Frauen lief bisher Paula Radcliffe aus Großbritannien mit 2:15:25,0 Stunden.
Von Interesse ist in diesem Zusammenhang gewiss noch die Leistung des schnellsten Landauer Läufers über die Marathondistanz. In das Jahr 1958 muss man zurückgehen, um das zu ermitteln. In Zaandam/NL lief Wilhelm Gänßler vom ASV Landau 2:31:18,0 Stunden. Die schnellste Landauerin ist U. Keller-Hoffmann mit 3:34:40,0 Stunden.

Noch einmal zurück zur kleinen Gedenktafel. Dem klugen Bréal, mit der guten Idee, den von Legenden und Mythen umrankten Langlauf olympisch zu kreieren, darf die Nachwelt dafür Dank sagen. Vielleicht bleibt der eine oder andere Leser dieser Zeilen in nächster Zeit einmal an besagter Tafel stehen und denkt an die Geschichte des Marathonlaufes und an den hier vor 174 Jahren geborenen Mann. 

3. März 2006

Walter Wetzka


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Abteilungsleiter